Teil 1: Warum die Bürgerinitiative „Rettet den Rodelberg“ gegründet wurde

Der Rodelberg ist ein beliebtes Naherholungsgebiet   im Westen von St. Florian bei Linz. Es ist eine naturbelassene Wiese mit hohem Artenreichtum. Der Rodelberg wird im Winter und Sommer von Familien und Schulklassen verwendet. Nun soll dort eine Wohnsiedlung entstehen. In diesem ersten Teil der Serie wollen wir einen kurzen geschichtlichen Überblick geben und erklären, warum sich bereits fast 900 Personen an der Unterschriftenaktion zum Erhalt des Rodelbergs und der Lebensqualität in St. Florian beteiligt haben.

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Die erste Unterschriftenaktion 1985

Bereits in den 1980er Jahren gab es Pläne, den Rodelberg zu verbauen. Aufgrund einer Unterschriftenaktion im Jahre 1985 konnte der Rodelberg bis auf Weiteres erhalten bleiben. Der geplante Wohnblock in der Ziegeleistraße wurde versetzt und der Rodelberg war gerettet —zumindest vorläufig. Das Jahr 1985 war außerdem ein Wahljahr und damals wie heute hatte das Thema Lebensqualität in St. Florian einen wichtigen Stellenwert.

Keine dauerhafte Lösung

Trotz dieses ersten Erfolges gab es keine dauerhafte Lösung. Der Rodelberg wechselte mehrfach den Besitzer und bereits getätigte Zusagen zum Erhalt des Rodelberges wurden nicht eingehalten. Obwohl der Wohnblock verschoben werden konnte, kam es zu keiner Rückumwidmung des Rodelberges in Grünland.

Spielplätze nicht realisiert

In den 1980er und 1990er Jahren wurde die Siedlung in der Ziegeleistraße eröffnet. Für die Baugenehmigung war es notwendig, im Einreichplan Spielplätze einzuplanen. Insgesamt waren zwei Spielplätze im Einreichplan vermerkt. Einer dieser Spielplätze war am oberen Bereich des Rodelberg geplant, ein zweiter („Robinsonpark“) im Aichetfeld. Beide Spielplätze wurden aber nie realisiert.

Tatsächlich wurden sogar die Kosten für diese Grundstücke auf die neuen Wohnungen aufgeteilt. Das war die Erklärung für die hohen Grundstückspreise.  Später wurde dieser obere Bereich des Rodelbergs dann trotzdem wieder weiterverkauft, was verständlicherweise zu einer Verärgerung der Wohnungseigentümer geführt hat. Seitens der Gemeinde wurde uns versprochen, dass dieses Thema nun recherchiert wird.

Auch die Zusage, dass der vermeintlich gerettete untere Teil des Rodelberges nicht verkauft wird und daher der Öffentlichkeit erhalten bleibt, wurde somit nicht gehalten. Im Jahr 2008 wurde der Rodelberg an den jetzigen Eigentümer verkauft.

In den 1980er Jahren setzten sich Florianer Bürger sehr für die Erhaltung des Rodelberges ein. Dennoch unternahm die Gemeinde keine Schritte, um diesen auch dauerhaft für die Öffentlichkeit abzusichern. Zugesagte öffentliche Spielplätze wurden ebenfalls nicht gebaut.

Erste Gerüchte

Im Frühjahr 2021 tauchten die  ersten Gerüchte auf, dass der Rodelberg verbaut werden sollte. Mehrere besorge Bürger kontaktieren daraufhin das Gemeindeamt, erhielten aber keine für sie zufriedenstellende Information, da noch nichts genaueres bekannt wäre. Die ersten Informationen waren, dass “exquisite Wohnungen“ auf dem Areal entstehen sollen. Weiters wurde gesagt, dass das Bauvorhaben ohnehin „zu groß“ sei und so nicht realisiert werden könne, dass man aber noch keine Details kenne.

Im März 2021 fingen dann plötzlich Schlägerungsarbeiten und Probebohrungen am Rodelberg an. Die Anrainer befürchteten den Start des Baubeginns und dass Fakten geschaffen werden sollen. Auch diesmal gab es keine Vorinformation. Sofort bei Beginn der Schlägerungen kontaktierten besorgte Gemeindebürger die Gemeinde telefonisch, und wieder wurde gesagt, dass sie diesbezüglich keine Information haben. Diese Arbeiten waren glücklicherweise nach wenigen Tagen abgeschlossen.

Auf jeden Fall waren viele Bürgerinnen und Bürger sehr unzufrieden. Der Verlust des Rodelberges, das schnelle Wachstum des Ortes, die überdimensionierten Wohnbauten (z.B. Rübenspitz), der generelle Mangel an Grünflächen und Spielplätzen im Ortsgebiet und  die schlechte Parkplatzsituation trugen sicherlich zu dieser Unzufriedenheit bei.

Man kann beobachten, dass der ländliche Charakter von St Florian zunehmends verloren geht und der Ort von Jahr zu Jahr mehr zur Stadt wird.

Große Bauvorhaben werden über die  Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden und ohne ausreichende entlastende Begleitmaßnahmen umgesetzt.

Besonders störend wurde die mangelnde Information empfunden. Wie viele Wohneinheiten sollen gebaut werden? Wird der ganze Rodelberg abgetragen? Wie wirkt sich ein Wohnblock auf die Park– und Verkehrssituation aus? Die Ziegeleistraße ist bereits jetzt schon augelastet. Muss die Ziegeleistraße während der Bauarbeiten vielleicht ganz gesperrt werden?  Und vor allem: Wo soll dann in St. Florian Wintersport betrieben werden? Wie kann es sein, dass die Konsequenzen größerer Bauvorhaben einfach auf die Bürger abgewälzt werden? Es wird vermutet, dass sich die Gemeinde sehr wohl der Problematik dieser ganzen Angelegenheit bewusst war.

Gründung der Bürgerinitiative und erste Erfolge

Einige besorgte Bürger und Bürgerinnen von St. Florian gründeten deshalb eine Bürgerinitiative. Innerhalb weniger Monate konnten fast 900 Unterschriften für den Erhalt des Rodelberges und der Lebensqualität in St. Florian gesammelt werden.

Tatsächlich konnte dank  der Bürgerinitiative schon bald ein erster Erfolg erzielt werden. Bei der Gemeinderatssitzung am 16. März 2021 wurde in Erfahrung gebracht, dass ursprünglich geplant gewesen war, auf dem Rodelberg 50 (!) Wohnungen zu errichten.

Es gab einen fraktionsübergreifenden Beschluss,  den Rodelberg (und andere Grundstücke) zu einem Neuplanungsgebiet zu erklären. Früher wurde dafür der Begriff “Baustopp” verwendet. Durch diese Maßnahme ist es möglich, Bebauungspläne zu erstellen. Die Anzahl der Wohnungen auf dem Rodelberg wurde auf maximal 25 Wohneinheiten zu beschränkt. Auch sind für jede Wohneinheit zwei Parkplätze zu errichten (was jedoch nicht ausreicht). Der in den letzten Jahren immer gängigeren Praxis, Grundstücke mit möglichst vielen Wohneinheiten  “zuzupflastern”, wird dadurch etwas entgegengewirkt.

In der Geschichte von St. Florian wurden zum ersten Mal Grundstücke zum Neuplanungsgebiet erklärt. Es wurde uns mitgeteilt, dass die Unterschriftenaktion ihren Beitrag dazu geleistet hat.

Trotzdem würden auch 25 Wohneinheiten den Verlust des Rodelberges bedeuten. Nichtsdestotrotz ist dieses Einlenken des Gemeinderats ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, auch wenn das Problem dadurch nicht gelöst wird.

Der Grundstücksbesitzer des Rodelberges entschied sich aufgrund des Gemeinderatbeschlusses dazu, das Projekt zurückzurollen und neu zu bewerten. Wirwurden jedoch darüber informiert, dass trotzdem das Interesse besteht, das Grundstück zu verwerten. Wir hoffen daher weiterhin auf eine gute Lösung für alle Beteiligten.

Fragen an den Gemeinderat

Am 16. Juni 2021 wurden die gesammelten Unterschriften an die Gemeinde übergeben. Ungefähr 60 Personen marschierten vom Rodelberg bis zum Gemeindeamt, um die vier Ordner mit Unterschriften Bürgermeister Bernd Schützeneder und Amtsleiter Jakob Schreibmüller zu übergeben. Die Unterschriften sind eine Aufforderung, sich bei der nächsten Gemeinderatssitzung mit dem Thema zu befassen. Folgende zwei Fragen wurden dem Gemeinderat mit den Unterschriften übergeben:

  •  Was werden Sie konkret unternehmen, um die Rodelwiese und die dazugehörige bewaldete Böschung als Freizeit- und Naturraum für die Florianer Bevölkerung und für die Allgemeinheit zu erhalten?
  • Bei den Wohnbauten bzw. Reihenhäusern der Ziegeleistraße-Siedlung und der Aichetfeld -Siedlung war jeweils ein Kinderspielpiatz am Rodelberg Bestandteil des genehmigten Wohnprojekts. Wie konnte es passieren, dass ein Kinderspielplatz am Rodelberg, der auf den Lageplänen beider genehmigter Wohnbauprojekte jeweils  vorgesehen war, bis heute nicht realisiert wurde?

 Bereits in der Vergangenheit wurden von der Gemeinde Grundstücke angekauft oder getauscht, um diese in öffentliche Erholungsflächen umzuwidmen (St. Johann Spielplatz, Fußballwiese Ipfbachsiedlung, Spielplatz Taunleiten). Im sehr dicht besiedelten westlichen Ortsteil fehlen jedoch entsprechende Grünflächen.

Diese Überreichung der Unterschriften ist ein zweites historisches Ereignis: Es handelt sich hierbei um den ersten Antrag von einer Bürgerinitiative an den Gemeinderat in der Geschichte von St. Florian. Wir hoffen, dass sich auch hier eine „historische“ Lösung zur Erhaltung des Rodelberges und der Lebensqualität finden lässt.

Die Bürgerinitiative wird sich weiterhin aktiv für die Angelegenheit einsetzen und Unterschriften sammeln. Wir schlagen vor, mit dem Grundstückseigentümer des Rodelberges in Verhandlung zu treten, um eine gemeinsam eine Lösung zu finden. Wir erwarten, dass sich unsere Volksvertreter aktiv dieser Thematik annehmen.

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