Teil 2: Der Brand der Ziegelei

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Die Anfänge der Stiftsziegelei

Der Name Ziegeleistraße im Westen von St. Florian erinnert heute noch an den Standort des „Stiftsziegeleiwerk St. Florian KG“. Die Stiftsziegelei wurde bereits im Jahre 1577 gegründet, um den steigenden Bedarf an Dachfüllziegel, Drainagerohren und Dachziegeln für den Bau des Stiftes zu decken. Der Bedarf an Baumaterial für das Stift war offensichtlich so groß, dass dafür eigens eine eigene Ziegelfabrik gegründet worden ist. Damals war es auch nicht unüblich, dass auch Bauern ihren eigenen Bedarf an Ziegeln durch Ziegelbrennen deckten. Der lehmige Boden in St. Florian und die Verfügbarkeit von Holz für die Brennöfen hat das sicherlich erleichtert.

Die Ziegelei dürfte auch nach der Fertigstellung des Stiftes in Betrieb gewesen sein, denn während des Ersten Weltkrieges wurde mit der Sanierung der Ziegelei begonnen. Vielleicht gab es aufgrund des Krieges auch einen höheren Bedarf an Baumaterial.

Größere Erneuerungsarbeiten fanden in der Zwischenkriegszeit zwischen 1918-1920 statt, wo ein neues Maschinenhaus, eine Ziegelpresse und ein 36m hoher Schlot errichtet wurden. Das Ziegeleiwerk war damals auch ein wichtiger Arbeitgeber: Im Jahr 1923 war die Hälfte der Belegschaft weiblich.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Ziegelei an die Reichswerke Hermann Göring verpachtet. Der Ertrag war allerdings gering und bereits ein Jahr vor dem Auslaufen des Pachtvertrages im März 1943 wurde der Betrieb im Mai 1942 eingestellt. Die Ziegelei wurde wieder geöffnet und später wurde im Werk auch Styropor erzeugt. Der Lehm für die Ziegel wurde direkt neben der Ziegelei abgetragen.

Die Lage der Stiftsziegelei. Der Umriss der Gebäude ist gelb markiert. Es wurden nicht nur Ziegel produziert, sondern auch Styropor. Das kleine Gebäude ist die Kantine. Quelle: Google Maps

Während des 2. Weltkrieges

Beim Kreisverkehr bei der Ortseinfahrt im Westen von St. Florian befindet sich der sogenannte „Judenfriedhof“. Auf diesem von Sträuchern eingegrenzten und mit Bäumen bepflanzten Areal sind viele Juden, die beim Todesmarsch durch St. Florian im April 1945 ihr Leben verloren, begraben.

Mehrere ehemalige Häftlinge berichten übereinstimmend, dass ungefähr 6000 jüdische KZ-Häftlinge beim Todesmarsch auf dem Gelände der Ziegelei genächtigt haben. Dr. Pal Bacs war einer dieser Häftlinge, der damals als 16-Jähriger den Todesmarsch überlebt hatte und von dieser Nächtigung bezeugen kann [Bernauer, E.].

 

Der Brand der Ziegelei

Am 17. März 1973 stand die Ziegelei in Flammen. Eine defekte Ölzuleitung zu einem der Brennöfen war der Auslöser. Die Decke des Ziegelofens fing Feuer, welches um 21.43 Uhr entdeckt wurde.

Der erste Versuch, den Brand mit einem 50kg Pulverlöscher zu löschen, war erfolglos, und so wurde die Freiwillige Feuerwehr St. Florian bereits zwei Minuten nach der Entdeckung des Brandes verständigt. Die Holzkonstruktion, mit Öl bespritzt, fing schnell Feuer und bereits 20 Minuten nach der Entdeckung des Brandes stand alles in Vollbrand. Es bestand Gefahr, dass die Nebengebäude aufgrund der hohen Wärmestrahlung ebenfalls Feuer fangen würden.

Um 22.30 Uhr war der Brand unter Kontrolle und um 23.40 Uhr brach das brennende Gerippe des Dachstuhls zusammen. Um 6.00 Uhr in der Früh konnte „Brand aus“ gegeben werden. Glücklicherweise gab es keine Verletzten – auch nicht während der Löschaktion.

Nach dem Brand der Ziegelei wurde diese aufgelassen und die Gebäude wurden abgetragen.

Brand der Ziegelei 1973. Das Gebäude stand damals im Vollbrand und wurde anschließend geschlossen.
Quelle: mit Erlaubnis der Freiwilligen Feuerwehr St. Florian

Sechs Jahre Ruhe

Die Zeit zwischen 1973 und 1979 verlief ruhig. Der Rodelberg diente als Naherholungsgebiet. Anfänglich befand sich noch eine alte Hütte am Fuße des Rodelberges. Das war die ehemalige Kantine der Ziegelei. Man musste gut bremsen, um beim Rodeln nicht in diese Hütte zu fahren. Diese wurde dann im Laufe der Zeit entfernt.

 

Die Zeitschrift der oberösterreichischen Feuerwehren beinhaltet einen detaillierten Bericht über den Brand.

Diesen können Sie hier lesen.

 

 

 

 

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