Teil 3: Die erste Unterschriftenaktion 1985

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Der Einreichplan – “St. Florian West”

Im Jahr 1979 tat sich wieder etwas. Am 19. März 1979 wurde ein Lageplan für vier Wohnblöcke und der Reihenhaussiedlung in der Ziegeleistraße eingereicht. Eines dieser Wohnblöcke (Block K) war für den unteren Bereich des Rodelberges geplant. Der komplette obere Teil des Rodelberges wurde als Kinderspielplatz in die Planung aufgenommen (als „KSP“ im Bild). Bauvorhaben in dieser Größenordnung werden nur dann genehmigt, wenn ausreichend Freizeitflächen eingeplant werden.

Bereits damals gab es seitens der Bevölkerung Bedenken gegen dieses Bauvorhaben. Block K blockierte einen wesentlichen Bereich der Auslauffläche und hätte den Rodelberg daher unbrauchbar gemacht. Selbst der geplante Kinderspielplatz auf dem Rodelberg hätte diesen Verlust nicht ausgleichen können. Aufgrund einer Unterschriftenaktion lenkte die Gemeinde im Jahr 1985 ein, und Block K wurde versetzt, um den Rodelberg zu erhalten.

Nach Fertigstellung der ersten Bauten im Jahr 1983 fand eine feierliche Schlüsselübergabe statt. Der Block F und die Reihenhäuser der Ziegeleistraße wurden bezogen. Die anderen Blöcke waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt. Kopfzerbrechen bereitete damals jedoch immer noch „Block K“, dessen Bau jedoch noch nicht begonnen hatte.

Im Einreichplan wurde im Bereich des Rodelberges ein Kinderspielplatz (KSP) eingeplant. Der Wohnblock K wurde außerdem versetzt, um den Rodelberg zu erhalten. Der Robinsonpark, ein weiterer Spielplatz, wurde zwar versprochen, aber ebenfalls nie realisiert.

Verkauf des Rodelberges

Die Grundstückspreise waren damals für dieses Areal überdurchschnittlich hoch. Das trieb die Wohnungskosten in die Höhe. Es wurde daher nachgefragt, warum die Grundstückspreise so hoch sind.

Es wurde damals ausgesagt, dass das Grundstück vom Rodelberg eingerechnet worden war und die Kosten auf die Grundstückseigentümer aufgeteilt worden waren. Tatsächlich wurde dieses Grundstück später trotzdem von der WSG verkauft und der für die Baugenehmigung notwendige Kinderspielplatz nicht realisiert. Diese Vorgehensweise hat bei einigen Käufern Missfallen hervorgerufen.

Außerdem wurde ein zweiter im Bereich Aichetfeld geplanter Spielplatz („Robinsonpark“) zwar ebenfalls in die Planung aufgenommen, aber nie realisiert.

Der Rodelberg besteht aus zwei Grundstücken, einem oberen und einem unteren Teil. Der obere Teil wurde wegen der Kostenprobleme der Tiefgarage in der Ziegelei strasse in den 80er Jahren an eine Privatperson verkauft. Dort sollte ein schönes Einfamilienhaus (und kein Wohnblock) entstehen. Dieser Plan wurde nicht umgesetzt. Das Grundstück wurde nach vielen Jahren dann an den jetzigen Eigentümer weiterverkauft.

 

 

Die erste Unterschriftenaktion im Wahljahr 1985

Zwischen Juli und September 1985 fand die erste Unterschriftenaktion zum Erhalt des Rodelberges statt. Handgeschriebene Flugblätter wurden angefertigt und beherzigte St. Florianer gingen von Tür zu Tür, um für Unterstützung für den Erhalt der „Rodelwiese“ zu werben.

Es konnten im lokalen Umkreis insgesamt 150 Unterschriften gesammelt werden. Diese wurden an Bürgermeisterkandidat Dr. Windtner im September 1985 übergeben. Bei der Übergabe wurde die Idee um Verschiebung des Wohnblocks vorgebracht.

Flugzettel 1985: Auch damals wurden für den Erhalt des Rodelberges Unterschriften gesammelt.

ÖVP Wahlversprechen

Zur gleichen Zeit bereiteten sich die Parteien auf die Gemeinderatswahl im Herbst 1985 vor. Der Kandidat der ÖVP war Dr. Leopold Windtner, der gegen den bestehenden SP-Bürgermeister Karl Franz Brunbauer antrat.

Die 12-seitige Wahlkampfbroschüre von Dr. Windtner stand damals unter dem Motto „Weil es um St. Florian geht“. Diese Broschüre sprach ausdrücklich die Wichtigkeit einer guten „Wohn- und Lebensqualität“ an. So befindet sich bereits in der Einleitung der Broschüre folgender Text: „Die grundsätzliche Linie orientiert sich aber am Grundsatz, der kulturhistorischen Tradition von St. Florian gerecht zu werden und die idealen Voraussetzungen unseres Ortes in gute Wohn- und Lebensqualität für unsere Bevölkerung umzusetzen. St. Florian ist der Inbegriff von Heimat, wenn wir die Harmonie zwischen Kultur, Landschaft und Bevölkerung herstellen und bewahren können.“

Weiters wurde die Wichtigkeit von Naherholungsgebieten angesprochen: „Ausreichende Sport- und Freizeitflächen sind ein wesentlicher Bestandteil der Infrastruktur“ und „Neugestaltung des Rodelberges am ehemaligen Ziegeleigelände im Einvernehmen mit den Grundbesitzern.“

 

Lösungsvorschlag von SP-Bürgermeister Brunbauer

Ende September 1985 – kurz vor der Wahl – gab es einen offenen Brief von Bürgermeister Brunbauer (SPÖ) an die Florianerinnen und Florianer, wo dieser detailliert die Entwicklung dieser Angelegenheit darlegte. In diesem Schreiben legte Bürgermeister Brunbauer als Alternative zum Erhalt des Rodelhügels einen Vorschlag zur Attraktivierung des Kastenlehnerberges für den Wintersport vor.

In diesem Schreiben erklärt sich die Gemeinde außerdem bereit, „jeglichen Schaden zu ersetzen“ und hofft auf eine „Pachtung der in Frage kommenden Grundstücke“.

Offensichtlich war beiden Fraktionen damals die Wichtigkeit der Causa auch in Anbetracht der Bevorstehenden Gemeinderatswahl bewusst.

Am 6. Oktober 1985 fand die Gemeinderatswahl statt. Diese ging sehr knapp aus und die ÖVP gewann mit Spitzenkandidat Dr. Windtner mit einem knappen Vorsprung. Dr. Windtner war Bürgermeister von St. Florian von 1985 bis 1995.

Ganze 36 Wohneinheiten (“Block K”) wurden versetzt und umgeplant, um den Rodelberg, zumindestens vorläufig, für die Allgemeinheit zu erhalten.

Vorschlag an die ÖVP Gemeindefraktion

Im Jahr 1987 wurde ein mehrseitiger Brief der Initiatoren der Unterschriftenaktion an die ÖVP Gemeindefraktion verfasst. Unter anderem liest sich Folgendes: „Da es bei der Umwidmung des gesamten Ziegeleigeländes in Bauland verabsäumt wurde, entsprechende Auflagen zur Erhaltung des Rodelhügels zu erteilen, soll dieses Kinderparadies jedoch baldiger Vergangenheit angehören. Daß sich eine große Zahl von Florianer Gemeindebürger mit dieser Situation nicht abfinden wollten, hat die von uns durchgeführte Unterschriftenaktion mit ca. 150 Unterschriften (die Unterschriften wurden an den Herrn Bürgermeister übergeben) für die Erhaltung des Rodelhügels gezeigt.“

Die Anliegen haben sich in den vergangenen fast 40 Jahren nicht verändert. So wurden in dem Schreiben die zentrale Lage des Rodelberges, die steigende Einwohnerzahl und das familienfreundliche Klima angesprochen. Weiters wurde der Vorschlag unterbreitet, den Block K zu versetzen, sodass der vollständige Rodelberg erhalten bleibt.

Es gab daraufhin ein offizielles Gespräch mit Bgm. Dr. Windtner, in welchem er unverbindlich eine Lösung zugesagt hat.

 

Die Gemeinde lenkt ein…

Tatsächlich konnte der Wohnblock verschoben werden. Die Gemende widmete ein Grundstück um, welches dann vom Stift verkauft wurde. Block K wurde seitens der WSG umgeplant, angepasst und verschoben. Das Grundstück des  Rodelberges wurde jedoch nicht rückgewidmet.

Der untere Teil des Rodelberges war nach wie vor im Besitz des Stiftes. Es wurde jedoch zugesichert, dass der untere Teil des Rodelberges vom Stift als Waldzugang benötigt wird und vom Stift niemals verkauft wird.

 

… und vergisst es wieder

Die Gemeinde St. Florian hat es somit verabsäumt, den Rodelberg  für die Bevölkerung dauerhaft zugänglich zu machen. Man hat sich darauf verlassen, dass das Stift das Grundstück nicht verkauft. Tatsächlich wurde es im Jahr 2008 an den jetzigen Grundstücksbesitzer verkauft. Nun hatte dieser anfänglich geplant, darauf ca. 50 Wohneinheiten zu errichten. Erst durch den Gemeinderatsbeschluss 2021, dieses in ein Neuplanungsgebiet umzuwandeln, fand eine Neubewertung des Projektes statt.

 

Ärger bei den Käufern

Auch beim Bau der Aichetfeldsieldung wurde ein in der Planung vorgesehener Kinderspielplatz nicht umgesetzt.

Die Aichetfeldsiedlung entstand nach Plänen von Architekt Wolfgang Kaufmann. Auch die gesamte Bauabwicklung erfolgte über dieses Architekturbüro.

Der Bau wurde in mehreren Etappen abgewickelt. Die Bewohner der ersten Bauphase (am oberen Ende der Siedlung) bezogen 1985 ihre Häuser. Gleich danach begann die Bauphase des mittleren Teils der Siedlung. Der letzte Teil dieser Bauabwicklung nach dem Gesamtplan des Architekten waren die Häuser rund um das verbliebende Biotop (der Rest des ehemaligen Ziegelteiches) und 4 Doppelhäuser am Hang zum Wald hin. Der Bezug dieser Häuser erfolgte 1989 und 1990.

Auf dem Lageplan vom 10.11.1987 gab es noch zwei wichtige Parzellen. Westlich der vier Doppelhäuser am Hang sollte eine ca. 4000 m2 große Grünfläche verbleiben. Östlich dieser Hanghäuser war der ca. 1700 m2 große Kinderspielplatz (genannt Robinsonpark) der Siedlung vorgesehen.

Diese beiden „Zusagen“ gemäß Lageplan wurden nicht eingehalten und leider auch sukzessive verbaut. So entstand eine große Wohnsiedlung ohne Kinderspielplatz. Aus diesem Grund musste auch  die dort befindliche Wasserdrucksteiganlage verlegt werden.

„Robinsonpark“: Hier war ein Kinderspielplatz geplant. Dieses Areal ist nun jedoch verbaut.

Weitere Erinnerung an die Gemeinde

In der Nähe des Rodelberges befindet sich der „Rübenspitz“. Als im Jahr 2015  Gerüchte auftauchten, dass der Rübenspitz verbaut werden soll, wurde ein weiteres Schreiben an die Gemeinde verfasst. In diesem Schreiben war Folgendes zu lesen: „Der Park stellt eine grüne Oase im dicht besiedelten Gebiet St. Florian West dar, dessen Zerstörung unbedingt verhindert werden muss, wenn man den Erhalt der Lebensqualität in St. Florian ernst nimmt.”

In dem gleichen Schreiben wurde die Gemeinde erneut aufgefordert, sich für den Erhalt des Rodelberges einzusetzen, Zitat: „Weiters schlagen wir vor, dass die Gemeinde versucht vom Besitzer des Rodelhügels eine Teilfläche zu erwerben, damit für die Kinder das Rodeln am Rodelhügel auch in Zukunft möglich bleibt.”

Auch dieses Mal wurden seitens der Gemeinde keine Schritte in diese Richtung zur dauerhaften Absicherung des Rodelberges als Naherholungsgebiet gesetzt.

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